Ein Leben auf der Überholspur

Als „Welthandballer des Jahrhunderts“ hat Magnus Wislander seinen Sport maßgeblich geprägt. Doch der charismatische Schwede war nie ein exzentrischer Star. Max“ galt vielmehr als Inbegriff des bodenständigen Handballers: ehrgeizig, leistungsgetrieben – und doch stets mit Freude am Spiel. Einer, der Mitspieler mit seiner Genialität besser machte und Menschen mit Respekt begegnete. Auch heute, mit 62 Jahren, ist Magnus Wislander dem Handball noch immer verbunden. Doch längst hat ihn eine andere Leidenschaft gepackt. „Bock auf Handball“ hat ihn irgendwo im schwedischen Nirgendwo besucht.

Ja, er ist älter geworden. Zweifelsohne. Aber die markanten Gesichtszüge, das Glitzern in den Augen – sie sind geblieben. Und seine drahtige Figur, die ihm in Schweden einst den Spitzenamen „Slangen“ (zu deutsch: der Schlauch) einbrachte, hat er sich bewahrt. Eigentlich also alles wie immer bei Magnus Wislander. Fast jedenfalls.

Magnus Wislander beim Wurf im Trikot des THW Kiel

Wäre da nur nicht der 21. Oktober 2019 gewesen. Wie aus dem Nichts lag einer der größten Sportstars Schwedens plötzlich wehrlos am Boden – ein Schlaganfall. An jenem Montagnachmittag war er auf der Arbeit bei der Post in Göteborg einfach zusammengebrochen. Zu seinem Glück reagierten die Kollegen geistesgegenwärtig, innerhalb einer Stunde wurden in einem Krankenhaus die notwendigen Maßnahmen eingeleitet. Ernsthafte Folgeschäden konnten gerade noch abgewehrt werden.

Was jedoch geblieben ist, sei das ungute Gefühl von Hilflosigkeit. „Besonders, wenn ich irgendwo in der Einsamkeit unterwegs bin und mir vorstelle, es würde jetzt passieren und keiner könnte mir helfen. Zum Glück werden solche Gedanken mit der Zeit weniger“, sagt Magnus nachdenklich.

Die gesundheitlichen Krise veränderte seinen Blick auf das Leben. Schlagartig. Noch als er da hilflos am Boden lag und das Geschehen um ihn herum in vollem Bewusstsein, aber ohne die Möglichkeit zu reagieren, über sich ergehen lassen musste, schossen ihm die Gedanken und Bilder nur so durch den Kopf. „In diesem Moment habe ich für mich selbst eine Bucket List gemacht: Ich will weiter Fußball und Golf spielen können, Skilanglauf machen. Ich will Zeit im Ferienhaus verbringen und mich um meine Familie kümmern. Und ich will schon gar nicht, dass sich irgendjemand für den Rest meines Lebens um mich kümmern muss“, erinnert sich Magnus. „Das sonderbare war: In all diesen Gedanken kam der Handball überhaupt nicht vor.“

Magnus schraubt in seinem Schuppen an einem Motor

Bis dahin hatte Magnus noch als Trainer bei seinem Heimatverein Redbergslids IK, dem schwedischen Rekordmeister aus seiner Geburtsstadt Göteborg, an der Seitenlinie gestanden. Nun zog er konsequent die Reißleine. „Die Entscheidung, mit dem Top-Handball aufzuhören, war in diesem Moment sehr, sehr einfach. Ich wollte einfach nicht mehr jeden Nachmittag, jedes Wochenende in der Halle sein“, gesteht er. Es war eine bewusste, befreiende Entscheidung.

Fünf Jahre später: Es ist früher Nachmittag und das Licht wird bereits schummrig. Hier, mitten im Niemandsland zwischen Wäldern und Seen im Dreiländereck der schwedischen Provinzen Värmland, Dalarna und Örebro hat der Winter noch nicht so recht Einzug halten wollen. Statt Bilderbuch-Idylle viel feuchter Nebel, jede Menge Matsch. Und unzählige Fahrzeugwracks. Das weitläufige Anwesen der Familie Höök gleicht einem Autofriedhof: Hier ein riesiger Stapel Reifen, dort aufeinander geschichtete Blechkisten. Es ist ein Mekka für Rennsport-Liebhaber der ganz besondere Sorte.

In einem Schuppen quer über den Hof erstrahlt helles Licht. Und aus dem Inneren dröhnt Maschinenlärm in die ansonsten beschauliche Stille. Gemeinsam mit Hausherr Nils Thorleif Höök, den alle nur „Totto“ nennen, hat Magnus Wislander einen Automotor in seine Einzelteile zerlegt, um diesen zunächst zu waschen und dann fein säuberlich neu zusammenzusetzen. Doch es ist nicht nur die Maschine – das komplette Auto auf der Hebebühne ist entkernt. Überall verstreut in der Werkstatt liegen die Einzelteile herum. Das komplette Chaos, könnte der Laie bei diesem Anblick unvermittelt meinen. Doch Totto weiß, was er tut. Denn er ist eine Legende. Seine Passion: das „Folkrace“.

Den vollständigen Artikel zu Magnus Wislander findet ihr in der Ausgabe 22/2025 vom Magazin Bock auf Handball!

Xenia Smits
Katharina Filter