Zwischen Mikrofon, Mannschaft und ein paar Akkorden
Zwei Rollen, ein innerer Kompass. So lebt Sven-Sören Christophersen Handball – intensiv, nahbar, mit Herz. „Bock auf Handball“ hat ihn während der Europameisterschaft begleitet.
Wenn die Hymnen verklungen sind, es in der Arena zu brodeln beginnt und ganz Handball-Europa hinschaut, dann sitzt Sven-Sören Christophersen (40) nicht einfach nur am Mikrofon. Er beobachtet. Er ordnet ein. Und er denkt oft schon weiter als das Spiel, das gerade vor ihm liegt.
Der Ehrgeiz, der ihn antreibt, ist nie verschwunden. Er hat nur seine Form verändert. Früher war er sichtbar in Zweikämpfen, heute zeigt er sich in Analysen, Entscheidungen und in der Verantwortung, die er trägt. Leiser vielleicht, kontrollierter – aber nicht weniger intensiv.
Sören lebt Handball. In 101 Länderspielen für Deutschland erzielte der Rückraum-Stratege 182 Tore für Deutschland, mit den Füchsen Berlin gewann er 2014 den DHB-Pokal. Nach seinem Karriereende 2018 wechselte der gelernte Bankkaufmann direkt in die Geschäftsführung der TSV Hannover-Burgdorf. Noch heute ist er Sportlicher Leiter der „Recken“. Und seit 2019 auch Handball-Experte und Co-Kommentator im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF).
Während andere nach dem Schlusspfiff abschalten, beginnt für ihn häufig erst der zweite Teil des Tages. Gespräche, Telefonate, Gedanken Richtung Hannover. Denn dort ist er Sportchef der Recken, verantwortlich für einen Bundesligisten – auch dann, wenn er bei einer Europameisterschaft für das ZDF als Experte im Einsatz ist.
„Diese Zeit ist immer sehr intensiv“, sagt er. „Arbeitsintensiv auch, weil man die Aufgaben aus dem Club natürlich trotzdem mit sich trägt.“ Zwei Rollen, ein Kopf – und ein Anspruch, beiden gerecht zu werden.
Vielleicht braucht es deshalb Momente, in denen der Handball einmal leise wird.



