Der letzte Tanz des „ALTEN SCHWEDEN“
Eigentlich war Andreas Palicka schon kurz davor gewesen, die Handballschuhe an den Nagel zu hängen. Warum der schwedische Weltklasse-Torhüter mit 40 Jahren bei den Füchsen Berlin nun doch noch einmal zur vielleicht größten Herausforderung seiner Karriere aufbricht, das verrät er in „Bock auf Handball“.
Andreas Palicka sitzt nicht da wie jemand, der seine Karriere in aller Gemächlichkeit ausklingen lassen möchte. Dabei gäbe es gute Gründe dafür. Der Schwede ist inzwischen 40 Jahre alt. Er hat zwei Champions-League-Titel gewonnen, wurde sechsmal Deutscher Meister, viermal DHB-Pokalsieger, drei Mal französischer Meister, schwedischer Meister und holte Gold bei der Junioren-Weltmeister- sowie der Europameisterschaft. Seit vielen Jahren zählt er zu den herausragendsten Torhütern des internationalen Handballs. Fast zwei Jahrzehnte hat „Palle“ im Ausland gelebt, dabei Titel gesammelt, heftige Rückschläge überwunden und eine Karriere hingelegt, von der die allermeisten Sportler nur träumen können.

Und doch ist Andreas Palicka seit diesem Jahr wieder zurück in der Handball-Bundesliga. Wieder in jener Liga, die sich selbst gerne als „stärkste Liga der Welt“ bezeichnet. Von Februar bis Juni dieses Jahr zunächst bei der HSG Wetzlar. Und seit dem Sommer auch wieder bei einem Klub mit großen Ambitionen. Wieder in einer Mannschaft, die um Titel spielen möchte.
Bei den Füchsen Berlin beginnt für ihn kein Abschied auf Raten. Es ist vielmehr ein weiteres Kapitel einer Karriere, die immer wieder von Neuanfängen geprägt war. „Ich bin hierher gekommen, um Titel zu gewinnen“, sagt Andreas.
Der Satz klingt nicht wie eine Kampfansage. Eher wie eine Feststellung.
Wer ihm zuhört, merkt schnell: In den Haaransatz mischt sich inzwischen zwar ein leichtes Grau, sein Ehrgeiz ist jedoch geblieben. Aber der Routinier ist heute bedachter als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren.
Wenn „Palle“ über seine Karriere spricht, dann selten von Titeln. Natürlich ist er stolz auf das, was er erreicht hat. Doch viel häufiger spricht er über Menschen. Über Mannschaften. Über Freundschaften. Über die Kabine.

„Die Kabine war über viele Jahre meine zweite Familie“, sagt er.
Zwanzig Jahre Profisport haben ihn geprägt. Nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich. In dieser Zeit hat er mit Spielern aus unterschiedlichsten Ländern, Kulturen und Religionen zusammengespielt. Er hat erlebt, wie Menschen mit völlig verschiedenen Hintergründen gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten.
Genau das gehört für ihn zu den größten Stärken des Sports. Respekt, Loyalität und Verlässlichkeit sind Begriffe, die in seinen Antworten immer wieder auftauchen. Diese Werte sind für ihn die Grundlage seines Lebens geworden. Vielleicht liegt darin auch ein Grund für seine Beliebtheit in den Mannschaften, für die er gespielt hat.
Er beschreibt sich nicht als perfekten Menschen. Er erzählt von Konflikten, von schwierigen Beziehungen und von Situationen, in denen er selbst Fehler gemacht hat. Entscheidend sei für ihn immer gewesen, wie Menschen danach miteinander umgehen. „Wenn man sich nicht aussprechen kann, habe ich damit ein Problem“, sagt er. Ein Gedanke, der sich durch seine gesamte Karriere zieht.
Dass Andreas Palicka heute so spricht, hat auch mit einer Erfahrung zu tun, die seine Karriere beinahe beendet hätte, bevor sie richtig begonnen hatte …



