DIE CHEFIN

Jutta Ehrmann ist für das Schiedsrichterwesen im Deutschen Handballbund verantwortlich. Die 62-Jährige hat mit dieser Position ihre Berufung gefunden. Bock auf Handball besuchte die frühere Spitzenschiedsrichterin in Nordrhein-Westfalen.

Wenn einer ihrer Schiedsrichter auf dem Spielfeld einen richtigen Bock schießt, geht Jutta Ehrmann erst einmal Fahrrad fahren. „Nach einem normalen Spieltag sitze ich eine Stunde auf dem Rad, wenn richtige Klopper passieren, werden es auch mal drei Stunden“, sagt die frühere Spitzenschiedsrichterin trocken. „Ich wohne mitten im Grünen und der Weg zum Fahrradkeller ist kurz.“

Auf dem Fahrrad versucht die 62-Jährige, den Kopf freizukriegen. Das gelingt nicht immer: „Ich trage die Probleme mit mir herum, einen echten Feierabend habe ich selten.“ Eine rote Karte, Streit um den Einsatz des Videobeweises, ein angekündigter Einspruch: An Spieltagen kann jederzeit das Handy klingeln; auch mitten in der Nacht, wenn die Schiedsrichter nach Abendspielen auf dem Heimweg sind. „Unsere Leute sind angehalten, sich bei besonderen Vorkommnissen direkt mit mir in Verbindung zu setzen“, sagt Jutta. „Ich mache den Job aus Berufung. Wäre Geld das Motiv, wäre ich noch in der Logisitk.“

Was gehört zu den Aufgaben als Leiterin Schiedsrichterwesen? Es ist eine sehr vielfältige Aufgabe, denn ich setze nicht nur die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in den Bundesligen an. Ich muss die Interessen von unseren Gruppen – Schiedsrichter, Zeitnehmer und Sekretäre, Delegierte, Coaches, die Kolleginnen und Kollegen von der Basis – gegenüber den Vereinen und Verbänden vertreten. Ich muss viel organisieren, zahlreiche Themen auf den Weg bringen und auch immer wieder Krisen managen. Ich bin die Schnittstelle zum internationalen Schiedsrichterwesen, ich pflege die Netzwerke und vertrete auch dort unsere Interessen.

Leiterin Schiedsrichterwesen im Deutschen Handballbund: Das ist die offizielle Bezeichnung der Position, die Jutta Ehrmann seit fünf Jahren innehat. Bis 2021 war der Schiedsrichterwart des DHB noch im Ehrenamt tätig, doch im Zuge der Professionalisierung schuf der Dachverband eine Vollzeitstelle. „Die rasant zunehmende Dynamik unserer Welt – und die Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen heute weltweit diskutiert werden, machte es einfach notwendig, dass sich jemand hauptamtlich mit dem Thema beschäftigt“, begründet sie die Umstrukturierung rückblickend.

Jutta bewarb sich, ihre Erfahrung als internationale Schiedsrichterin und Delegierte im Rücken – und wurde eingestellt, als erste hauptamtliche Leiterin Schiedsrichterwesen („so nennt mich aber niemand. Meine Leute sagen einfach Jutta – oder Chefin.“). Mit damals 57 Jahren war sie also wieder einmal die Erste – und das nicht zum ersten Mal in ihrer Karriere. Gemeinsam mit Susanne Künzig bildete Jutta das erste Frauen-Team an der Pfeife in der Männer-Bundesliga, das erste deutsche Frauen-Gespann bei einem internationalen Großturnier, die erste weibliche deutsche Delegierte bei einer EM. Es ist eine Karriere der Meilensteine. „Irgendwann hatten wir eine gewisse Routine darin, die ersten zu sein“, flachst Jutta…

Den vollständigen Artikel zu Jutta Ehrmann findet ihr in der Ausgabe 23/2026 vom Magazin Bock auf Handball!

Nils Lichtlein aus Bock auf Handball Ausgabe 23Nils Lichtlein
Post