Von der Kunst, sich selbst treu zu bleiben

Als Europameister von 2016 war KAI HÄFNER ein „Bad Boy“. Doch eigentlich ist er immer der nette Typ von nebenan geblieben. Eines der beliebtesten Gesichter im deutschen Handball. Einer, der nie in der Champions League angetreten ist. Und trotzdem spielt Kai Häfner derzeit so gut Handball wie selten zuvor. „Bock auf Handball“ hat ihn besucht. Eine Geschichte über Entwicklung, Haltung und die Kunst, den eigenen Weg konsequent zu gehen.

Eigentlich denkt Kai Häfner gerade darüber nach, wann er seine Handballschuhe an den Nagel hängen und was danach kommen soll. Im Sommer 2023 war der heute 36-Jährige in seine schwäbische Heimat zurückgekehrt, ist beim TVB Stuttgart gleichsam auf die Zielgerade eines beachtlichen sportlichen Werdegangs eingebogen. Und dennoch spielt Deutschlands vielleicht bester rechter Rückraumspieler des vergangenen Jahrzehnts derzeit nicht, als sei er im Herbst seiner Karriere angelangt.

Kai Häfner in der Rolle des Führungsspielers während des Trainings

Kai Häfner in der Rolle des Führungsspielers während des Trainings

Der Routinier ist auf seine alten Tage noch einmal aufgeblüht: zweitbester Torschütze in der stärksten Handball-Liga der Welt, getoppt nur vom dreimaligen Welthandballer Mathias Gidsel. „Ich würde es unfair finden, das als beste Saison meiner Karriere zu bezeichnen“, sagt Kai – und lächelt dabei fast entschuldigend. Andere hätten an dieser Stelle vielleicht von einem zweiten Frühling gesprochen, von einem letzten großen Aufbäumen, bevor der Vorhang fällt. Kai widerspricht. Nicht aus falscher Bescheidenheit, sondern aus Überzeugung. „Meine Rolle ist einfach eine andere geworden“, sagt er, und verweist darauf, dass neue Aufgaben – etwa als Siebenmeterschütze – automatisch zu mehr Toren führen.

Eine scheinbar einfache Erklärung, die viel über seine Perspektive verrät: Kai ist keiner, der sich über kurzfristige Hochphasen definiert. Vielmehr versteht er seine Laufbahn als Prozess, der von ständiger Weiterentwicklung geprägt ist. „Der Schlüssel ist, dass du dich immer wieder an neue Anforderungen anpasst, ohne dich selbst zu verlieren“, beschreibt er einen Grundsatz, der wie ein roter Faden wirkt. Der Handball habe sich verändert, sagt er, schneller, dynamischer, komplexer –und wer über Jahre hinweg bestehen wolle, müsse bereit sein, sich mitzuentwickeln. Gleichzeitig gehe es darum, die eigenen Stärken nicht aus den Augen zu verlieren. Genau diese Balance habe ihn getragen.

Kai Häfner in der Umkleidekabine des TVB Stuttgart

Kai Häfner in der Umkleidekabine des TVB Stuttgart

Kai Häfner, 36 Jahre alt, Europameister von 2016, zweifacher Olympiamedaillengewinner, ein Gesicht des deutschen Handballs über viele Jahre – und doch nie einer dieser Namen, die automatisch mit den ganz großen Klubadressen verbunden werden. Kein Magdeburg, kein Kiel, kein Flensburg, keine Champions League. Stattdessen: Konstanz, Verantwortung, Entwicklung. Eine Karriere, die weniger von großen Schlagzeilen lebt als von einer inneren Logik.

Vielleicht beginnt alles genau dort, wo viele Karrieren ins Stocken geraten. In Göppingen, am Anfang seiner Bundesligazeit. Kai ist jung, talentiert, ehrgeizig – und plötzlich reicht das alles nicht mehr. Kaum Einsatzzeit, starke Konkurrenz, Zweifel an seiner Position. „Es waren zwei, drei Jahre, die nicht einfach waren“, sagt er rückblickend. Es ist einer dieser Sätze, die nüchtern klingen und doch viel erzählen. Vom Warten, vom Arbeiten, vom Aushalten…

Den vollständigen Artikel zu Kai Häfner findet ihr in der Ausgabe 23/2026 vom Magazin Bock auf Handball!

Viola Leuchter aus Bock auf Handball Ausgabe 23Viola Leuchter
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