Das neue Wir-Gefühl

Zum ersten Mal seit 33 Jahren hat der deutsche Rekordmeister THW Kiel die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb verpasst. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf dem Norweger Børge Lund, der die Zebras wieder auf Erfolgskurs trimmen soll. Dieser geht die Sache mit einer Menge Spaß und einer gehörigen Portion skandinavischer Gelassenheit an. Doch wer ist Børge Lund eigentlich? Und was macht ihn als Trainer aus? „Bock auf Handball“ hat den 47-Jährigen im Trainingslager des THW Kiel getroffen.

Wenn im schnelllebigen Profisport in über drei Jahrzehnten lediglich drei unterschiedliche Cheftrainer auf der Bank eines Topklubs gesessen haben, dann darf man das getrost als außergewöhnlich bezeichnen. Der THW Kiel hat diese bemerkenswerte Konstanz mit beeindruckendem Erfolg vorgelebt: Auf Zvonimir „Noka“ Serdarusic (1993-2008), der als einer der prägendsten und erfolgreichsten Handballtrainer der Geschichte gilt, folgte der heutige Bundestrainer Alfred Gislason (2008-2019), ehe schließlich der einstige Welthandballer Filip Jicha (2019-2026) das Kommando übernahm.

Und so erscheint es auf den ersten Blick durchaus überraschend, dass mit dem Norweger Børge Lund nun jemand das Ruder übernommen hat, dem noch nicht die Aura seiner Vorgänger anhaftet und der zumindest als Trainer noch keine Spuren in der Bundesliga hinterlassen hat. Wer allerdings genau hinsieht, der spürt von Beginn an eine neue Aufbruchstimmung an der Kieler Förde. Tageslicht sucht man im Raiffeisen Sportpark in Graz vergeblich. Aber die Klimaanlage in der Arena gibt ihr Bestes, um den österreichischen Rekordtemperaturen draußen im Freien zu trotzen. Die Profis des THW Kiel schwitzen trotzdem. Und Børge Lund ist sichtlich zufrieden. Hier eine klare Anweisung, dort ein dezenter Hinweis. Nach gelungenen Aktionen ein anerkennendes Abklatschen. Er lächelt. Der Norweger ist kein Mann der großen Gesten. Keiner mit markigen Ansagen. Und ohne das Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen.

Wer den Norweger erlebt, begegnet keinem Lautsprecher. Eher einem Menschen, der seine Gedanken sorgfältig sortiert, bevor er sie ausspricht. Einem, der zuhört, beobachtet und analysiert. Und der gerade deshalb eine bemerkenswerte Klarheit entwickelt und sich dabei die Freude am Sport selbst bewahrt hat. Vielleicht ist genau das die größte Besonderheit an Börge Lund .„Die Welt ist nicht schwarz-weiß, meine Welt ist grau“, lacht er.

In seiner Geburtsstadt Bodø (Norwegen), zwei knappe Autostunden oberhalb des Polarkreises, hatte einst die Karriere des Børge Lund begonnen. Nach Stationen in Aalborg (Dänemark), Nordhorn, Kiel sowie den Rhein-Neckar Löwen und Berlin (alle Deutschland) ließ er sie vor nunmehr zehn Jahren daheim in Bodø auch wieder ausklingen. Als Co-Trainer gewann er später mit der norwegischen Nationalmannschaft die Vizeweltmeisterschaft und formte beim norwegischen Spitzenklub Elverum Håndball junge Talente wie Eric Johansson oder Tobias Grøndahl zu neuen Stars.

Als Spieler gehörte Børge einst selbst zu einer Generation, die den THW Kiel auf europäischer Ebene prägte. In den drei Spielzeiten zwischen 2007 und 2010 gewann er mit den Zebras drei deutsche Meisterschaften, zweimal den DHB-Pokal, stand gleich drei Mal im Finale der Champions League und gewann die Königsklasse schließlich einmal …

Den vollständigen Artikel zu Børge Lund findet ihr in der Ausgabe 24/2026 vom Magazin Bock auf Handball!

Matthias Musche
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