Die Marke Musche

Seit 26 Jahren trägt Matthias „Matze“ Musche das Trikot des SC Magdeburg. Vom talentierten Eigengewächs entwickelte er sich hier zum meinungsstarken Urgestein. Der Club hat ihn beim Erwachsenwerden ebenso geprägt wie er selbst den Verein auf dessen Weg an die absolute Spitze.

Bart-Geschichten zählen auf Social-Media-Kanälen zu den beliebten Storys. Dabei geht es längst nicht nur um Form und Pflege der Pracht. Ein Instagram-Video zeigt beispielsweise, wie Kinder reagieren, wenn ihre Väter sich ihre markante Gesichtsbehaarung abrasieren. Die Reaktionen reichen von heftigem Weinen über schreckhaftes Aufspringen bis hin zu kleinen Wutausbrüchen. Für die Kleinen steht fest: Papa ohne Mähne geht einfach nicht.

„Meine Kinder haben mich noch nie ohne gesehen“, sagt Matze Musche und schmunzelt, „Vermutlich wäre ihre Reaktion auch heftig.“ Er selbst kann sich kaum noch an sein Antlitz ohne das Markenzeichen erinnern, denn die letzte Rasur liegt ziemlich genau zehn Jahre zurück.

Matthias Musche zeigt seinen Jubel bei einem Foto-Shooting

Matthias Musche zeigt seinen Jubel bei einem Foto-Shooting

Die Geschichte ist längst ein Klassiker und auch nach zehn Jahren noch amüsant: „Es war gefühlt mitten in der Nacht, als wir zu irgendeinem Auswärtsspiel in den Mannschaftsbus stiegen. Nur mein Freund Jens Schöngarth war hellwach und auch um diese Uhrzeit noch zu Scherzen aufgelegt. Als er mein Gesicht entdeckte, rief er über die Sitzreihen, ich würde ohne Bart aussehen, wie sein Hintern mit acht Jahren.“

Der Bart war schnell wieder da. Und er blieb bis heute. Zwischenzeitlich bescherte er Matze ein eigenes Business mit Pflegeprodukten und brachte ihm den Beinamen: „Der Wikinger aus Magdeburg“ ein.

„Ich bin bestimmt kein Wikinger“, winkt der ab, „privat bin ich ein sehr entspannter Mensch.“ Dass er als unverstellter und markanter Typ mit dem spektakulären Torjubel längst zur Identifikationsfigur seines Klubs geworden ist, streitet er aber nicht ab. Darauf ist der bodenständige Anführer und Vizekapitän des SCM sehr stolz.

Grenzenloser Jubel: Matze Musche und sein Team mit der deutschen Meisterschale

Grenzenloser Jubel: Matze Musche und sein Team mit der deutschen Meisterschale

Was wäre, wenn

„Eine echte Alternative gab es für mich als Kind nicht“, sagt Matze auf die Frage, wie sein Leben sonst hätte verlaufen können. „Ich wollte immer Profihandballer werden. Diesen Traum habe ich jahrelang verfolgt, und als er endlich wahr wurde, hatte ich keinen Zweifel mehr, wo mein Platz ist. Ich hatte wirklich nur Handball im Kopf.“

Die „seriösen“ Pläne kamen später. „Klar willst du irgendwann eine Familie gründen, ein Haus bauen und einen Baum pflanzen“, sagt Matze und lacht. „Und erst, wenn du genau dieses Leben führst, bekommt auch der Sport den richtigen Stellenwert.“ Der Satz klingt fast philosophisch. Wahrscheinlich auch für Matze selbst, denn schnell schiebt er noch eine Erklärung nach. „Man soll mich auf keinen Fall falsch verstehen: Handball ist nach wie vor ein Lebenstraum, den ich mir zwar mit Talent ermöglicht, aber auch durch harte Arbeit erkämpft habe. Doch erst mit Kindern realisiert man, was im Leben wirklich wesentlich ist.“

Über die Frage, was einen jungen Menschen zum erwachsenen Mann macht, muss Matze länger nachdenken. War es die Geburt seines ersten Kindes? Die erste ernsthafte Verletzung? Der Meistertitel oder doch der Grundbucheintrag für das Eigenheim? „Wahrscheinlich ist es eine Mischung von all dem – die Verantwortung und das Bewusstsein verändern sich aber am deutlichsten, wenn man Vater wird.“ Während andere Spieler solche Meilensteine oft mit den unterschiedlichen Stationen in ihrer Karriere verbinden, hat sich alles „Spannende“ in Matzes Leben bisher in und um Magdeburg abgespielt. Hier ist er zu einem gestandenen Mann gereift …

Den vollständigen Artikel zu Matthias Musche findet ihr in der Ausgabe 24/2026 vom Magazin Bock auf Handball!

Andreas Palicka
Børge Lund